Unnahbarkeit (1994)
Unnahbarkeit
Zu Zeiten, als noch Ritter zogen
Auf jenen Pfaden tugendhaft,
Die heute unser Fuß beschreitet –
Da war das Herz den Tapferen geweitet.
Sie hatten nie ein höh'res Gut gerafft,
Als jene Minne auf des Herzens Wogen.
Mir fällt ein stolzer Schatten auf's Gesicht,
Als ich hier einsam steh' auf Bergeshöh'n.
Das Aug' ich schnell gen Himmel richt',
Und seh den Adler gleiten – wunderschön!
So wie der Adler unerreichbar droben schwebt,
So geht es mir mit dir, du ängstlich schöne Frau,
Und wie die Norne an dem Schicksalsfaden webt,
Wirkst du auf mich – so herrlich kraftvoll rauh!
Was ist nur an dir, hübsche selbstbewusste Maid,
Dass du sie alle, die dich kennen, so bezauberst?
In deinen klaren hellen Augen spiegelt sich das Leid,
Was hast du nur, wenn du so oft und unbewusst erschauerst?
Es ist nun an der Zeit, die Seelenenden zu verknüpfen!
Versuche die Unnahbarkeit, die Unerreichbarkeit zu bannen!
Und kann dir endlich dann das Herz im Busen hüpfen,
Umpfängt der Liebe Wärme ganz die dunklen Tannen.
Doch musst du erst zu einem Freund Vertrauen fassen,
Damit dich auch die volle Seelenschönheit strahlend macht!
Doch lern' zunächst die falsche Eitelkeit zu hassen,
Damit die elende Verführung nicht noch schallend lacht!
Letztendlich musst du auch die körperliche Nähe spüren.
Sie ist's - sie bricht dem Zugang zu dir Bahn;
Dann muss der Geist die Schmiedefeuer schüren,
Die dich erheben und erlösen von dem Wahn.
Die 'Alten' fochten noch mit schweren Waffen -
Wir sollten es in uns'ren Zeiten unterlassen!
Das Wort ist scharf und spitz genug,
Und wirkt so oft als wie ein Krug,
Aus dem es Gründe sprudelt um zu hassen;
Doch wollen wir, die 'Neuen', Frieden schaffen.
(geschrieben am 10. Januar 1994)
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