Gedanken über die Liebe ( - Meditation -) (1994)
Gedanken über die Liebe
( - Meditation -)
Liebe. Wer kann schon erfassen,
Welch' unfassbare Riesenkraft
In diesem kleinen Worte steckt,
In uns die stille Ahnung weckt,
In uns ein Feuer schürt und schafft,
Von dem's unmöglich ist, zu lassen.
Viele uns'rer Denker, Dichter und auch Philosophen,
Jedoch auch Menschen, einfach und von nieder'm Stand,
Wollten sie beschreiben, um sie zu begreifen,
Wollten, möglichst ohne von ihr abzuschweifen,
Die hohe Minne suchend, ziehen durch das Land.
Der nieder'n Minne frönten sie – in vielen Strophen.
Und auch ich will diesen Schritt nun wagen,
In einer Zeit, die kaum noch Liebe, Wärme hat.
Ich will in Reih' und Glied mit allen ander'n steh'n,
Die stein'gen Wege hin zum Ziele schneller geh'n,
Und bin ich dann am Ende meiner Reise krank und matt,
So kann mich auch des Leben's Kerkerqual nicht plagen.
Es heißt, es sei die Liebe eine Himmelsmacht,
Es heißt, sie sei die Aura alles Guten,
Es heißt, sie sei der Odem uns'rer Welt.
Und trotzdem steht man mit ihr, oder fällt
Und schwimmt in unbarmherzig kalten harten Fluten.
Und über allem hält die unfassbare Gottheit Wacht.
Blickt man zurück, sieht man den Herrn Satanas böse toben,
Am andern Ufer steht der Tod, die dürren Arme hochgeschwungen.
Da, plötzlich, fühl' ich eine kräft'ge Hand,
Die mich an eines tiefen Abgrund's Rand,
Dem Strome der Gefühle mächtig abgerungen.
Die Treue ist's, die ich so lang als lästig' Tand beiseite hab' geschoben.
Und wenn man erst der liebend' Treu' Umarmung spürt,
Dann kommt auch ihre Zwillingsschwester schnell dazu.
Ihr Name, weiß man es nicht längst, ist Glaube.
Und wenn im Herbst der Fuß versinkt im dichten Laube,
Derweil man durch der bunten Wälder eigentümlich' Seelenruh'
befriedigt wandert – der Weg dann endlich nach der hohen Heimat führt.
Wenn dann zwei Menschen, die sich lieben,
Sich einig sind und nun des Lebens mühsam' Pfad
Gemeinsam geh'n, durchstehen jede Schwierigkeit,
Und miteinander teilen alles gegenseitig' Leid,
Dann geben sie der ganzen Welt das Beispiel und den Rat:
Macht ihr alle es genau wie wir und sichert so den Frieden.
So könnte man noch tausend Jahre lang
Über die Liebe und das Leben meditieren.
Doch die Erkenntnis, die wir suchen,
Ist, auch wenn wir noch so sehr darüber fluchen,
Auf dieser Welt nicht zu erringen. Man kann verlieren
Ohne zu gewinnen; die Dissonanz ist auch ein Klang.
Man lebt sein Leben, ohne sich mit solch' Gedanken zu belasten,
Doch viel leichter und stellt die Fragen besser nicht, die
Keiner uns enträtseln kann. Man zeige trotzdem ein Bewusstsein,
Dass man solch' Fragen auch erkennt. Wenn auch der Schein
Uns trügt mit Geisternebeln, die Weisheit wird uns dann der Utopie,
Dem Wahnsinn leicht entreißen. Hör'n wir dann auf, durch's Leben nur zu hasten.
(entstanden am 06.04.1994)
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