Ein alter Freund (1991/1993)

Ein alter Freund



Ein alter Freund der Menschen
Bist du stets gewesen.
Kamst immer dann,
Wenn alle Not am größten.

Du tratest zu des Bettes Fuß –
Und sprachst: „Es wird nun Zeit!“
Und nahmst gequälte Seelen auf,
Zu tragen sie ins Reich des Vaters.

O großer, düst'rer schwarzer Mann!
Wie schwer hat's doch der arme Geist
Des dummen kleinen Menschen;
Soll er sich mit dir auseinandersetzen –
Oder gar ... dich begreifen!

Ein Diener jenes Höchsten bist auch du.
Auch du bist sinnvoll gut und nützlich.
Doch warum nur ist's immer Trauer,
Unverständnis, Not, Verzweiflung, Schauer,
Die mit dir und der Erlösung sind?

Warum, frag' ich, kannst du nicht kommen
Und dann die Freude und die Dankbarkeit
Als wahre Himmelsmächte bringen? – – –

Doch wenn dein Mantel sie umschließt,
Und du sie in die Arme nimmst,
Dann endlich herrscht auf ewiglich –

Der Friede



(geschrieben im Januar 1991; Fassung vom Dezember 1993)

Hier der Text zum Hören:

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